Rezension: Sveta und der Junge aus dem Wald – Axel Saalbach & Ramona Mädel

by - 24 Oktober



TitelSveta und der Junge aus dem Wald
Autor: Axel Saalbach & Ramona Mädel
Verlag: selbst herausgegeben
Seitenzahl: 283
Websitehier



Klappentext:
In einer fernen und trostlosen Zeit: Die sechszehnjährige Sveta lebt mit ihren Eltern in Berlin. Nachdem ihr boshafter Vater bei seinen Dienstherren in Ungnade fällt, wird er zum Vorsteher eines kleinen Örtchens in der abgelegenen Provinz degradiert und muss die Stadt verlassen. Noch am gleichen Abend kommt es zum Zerwürfnis zwischen Svetas Eltern, woraufhin ihr Vater sofort aufbricht und Sveta gegen ihren Willen mitnimmt. Ohne zu wissen, wohin ihre Tochter verschleppt wird, bleibt die Mutter zurück. In ihrer neuen Heimat „Dunkeltann“ wird Svetas Leben von Tag zu Tag trister, bis es eines Morgens zu einer Begegnung kommt, die ihr Leben verändern wird ...

Zum Buch:
Ich wurde von Axel Saalbach gefragt ob ich das Buch rezensieren würde und habe gern ja gesagt - wir Leipziger müssen schließlich zusammenhalten! Außerdem war ich auf eine Dystopie gespannt, die mal nicht in New York spielt.

Meine Meinung:
Zugegeben, anfangs fiel es mir relativ schwer, mich in die Geschichte einzulesen. Dystopien sind für mich noch ein kleines Lese-Neuland, und da bei mir außerdem in letzter Zeit alles drunter und drüber geht hatte ich kaum Gelegenheit, mit der Welt warm zu werden. Dann habe ich mir aber ein paar Stunden Auszeit von allem genommen, und es hat wirklich geholfen. Es war ein wenig wie ein Auto mit Startschwierigkeiten, am Anfang holprig, doch am Ende lief alles flüssig. Als die Handlung so richtig ins Rollen kam, stellte sich auch der Lesefluss ein und ich musste das Buch einfach an einem Nachmittag durchlesen.

Es handelt von der sechzehnjährigen Sveta, die unfreiwillig im abgelegenen Dunkeltann für ihren Vater und Bruder das Dienstmädchen spielen muss. Für sie scheint keine Besserung in Sicht zu sein, denn ihr Vater behandelt sie von Tag zu Tag mehr wie eine Sklavin und ihr Bruder Jan setzt alles daran, seine Anerkennung zu erlangen - andere Dinge zählen für ihn kaum, erst recht nicht das Wohlergehen seiner unbedeutenden Schwester. Diese zunehmend furchtbaren Verhältnisse haben mich wohl in die Geschichte gezogen, denn Sveta ist sehr sympathisch und ich wollte unbedingt wissen, wie sie diese Ungerechtigkeiten übersteht.

Dabei hätte ich nur den Hintergrund der Dystopie gern ein wenig besser verstanden. Nach einem Krieg fiel Deutschland unter die Vormacht Russlands und wird als "deutsche Oblast" von Clans kontrolliert. Doch wie genau funktioniert das System? Wie ist es dazu gekommen? Vielleicht gibt es ja dazu in "Das Haus Komarow" - das auch in dieser Welt spielt - mehr Informationen, nur habe ich es leider nicht gelesen.
Der Schreibstil war manchmal etwas auffällig gehoben; an anderen Stellen schien aber gerade das angemessen und ich bekam das Gefühl, dass es vielleicht bewusst so gewählt wurde. Die gelegentlichen russischen Begriffe waren gut abgezählt, sie haben nicht gestört und konnten die slavische Atmosphäre noch verdeutlichen.
Der Plot hat mir sehr gut gefallen, es fühlte sich angenehm realistisch an - hoffentlich ist das kein Spoiler für euch -, obwohl die Konfliktlösung am Ende vielleicht doch ein kleines bisschen klischeehaft ausfiel. Das hat mir aber nichts ausgemacht, die Bedenken wurden einfach weggeschmunzelt, denn ich war einfach erleichtert dass nicht alles in einer Katastrophe endet.

Das Gesamtbild der Charaktere war sehr vielfältig, manchmal hat vielleicht etwas individuelle Tiefe gefehlt, doch für knapp 300 Seiten war ich persönlich zufrieden. Von beeindruckender Persönlichkeitsentwicklung, über die 'Lieben und Bösen' zum sturen Wird-Sich-Nie-Ändern war alles dabei. Besonders gut haben mir die beiden Protagonisten gefallen. Sveta war nicht das kleine Kind, das sich im Angesicht der Not zu Wonder Woman entwickelt hat. Nein, sie ist einfach ein junges Mädchen das versucht ihr Bestes zu geben, Fehler macht, eben nicht alles kann und trotzdem eine kleine Heldin ist - das schätze ich sehr bei Hauptcharakteren. Auch Der Junge Aus Dem Wald hat eine starke Persönlichkeit; er weiß, wer er ist und was seine Ziele sind. Er ist jemand, mit dem man problemlos in dunklen Wäldern umherstreifen kann und dabei keine Angst vor Wölfen haben muss. Man kann immer auf ihn zählen, wenn es darauf ankommt; ihn würde ich zu einem Treffen meiner Lieblings-Charaktere einladen.

Fazit:
Auch wenn ihr nicht die größten Fans von Dystopien seid, solltet ihr diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Wie so oft verpasst man sonst eine tolle Geschichte und sympathische Charaktere! Über die wenigen Sachen, die mir nicht vollkommen gefallen haben, kann man leicht hinwegsehen - das Gesamtpaket stimmt. Es gibt wohlverdiente

4 / 5 Black Tea Cups 

Vielen Dank an Axel Saalbach für dieses Rezensionsexemplar!

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2 Kommentare

  1. Eine tolle Rezi! Mich konnte das Buch total überzeugen, aber vielleicht auch, weil ich Das Haus Kamarow kenne und dadurch das ein oder andere Hintergrundwissen einfließen lassen konnte.

    LG Piglet ♥

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    1. Danke!! Das ist wahrscheinlich wirklich der entscheidende Punkt, aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht :)
      Allerliebste Grüße ♥

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